Züchtertagung des Deutschen Imkerbundes (D.I.B) in Drübeck

vom 20. – 22.03.2015 (von F.K. Tiesler)

Die diesjährige Züchtertagung des D.I.B. fand auf Einladung des LV. der Imker Sachsen Anhalts vom 20. – 22.03.2015 in Drübeck am Rande des Harzes statt. Das als Tagungsstätte umgebaute Kloster mit seinen großzügigen Vortragsräumen, der Restauration und den Übernachtungsmöglichkeiten bot für diese Veranstaltung einen hervorragenden Rahmen.

Neben den Zuchtobleuten aus den einzelnen Imker- / Landesverbänden konnte F.K. Tiesler als Zuchtbeirat des D.I.B. wieder etliche Vertreter der bienenwissenschaftlichen Institute, Gäste aus dem Ausland, Vertreter der Buckfastzucht und viele interessierte Züchter begrüßen. Der stellvertretende Landesverbandsvorsitzende Imkermeister R. Bertram und W. Goetze / Zuchtobmann gaben zunächst einen kurzen Überblick über die Imkerei und die Zuchtarbeit in ihrem Landesverband.

Informationen zur Zuchtwertschätzung

Nach dieser Einführung gab Prof. Dr. K. Bienefeld / Hohen Neuendorf aktuelle Informationen zur Zuchtwertschätzung. Dabei wurden verschiedene Neuerungen bei der Dateneingabe erläutert. Leider ist festzustellen, dass aus einigen großen Verbänden nur wenige Datensätze über geprüfte Völker eingegeben werden, obwohl dort eine umfangreiche Zuchtarbeit betrieben wird.

Während in früheren Jahren die Selektion auf Honigleitung, Sanftmut und Schwarmträgheit im Vordergrund stand, stellt heute die Auslese widerstandsfähiger Völker die größte Herausforderung für die Züchter dar.

Für die Beurteilung der Widerstandsfähigkeit ist die Erfassung von Krankheiten, wie Kalkbrut, Chronische Paralyse Virus, Nosema usw. von besonderer Bedeutung. Dr. Büchler / Kirchhain gab einen kurzen Überblick über die Symptome, an denen die einzelnen Krankheiten zu erkennen sind.

Varroa - Resistenzmerkmale

Prof. Dr. K. Bienefeld erläuterte anschließend die Erfassung der Varroa – Resistenzmerkmale und der Frequenz anderer Krankheiten im Rahmen der Zuchtwertschätzung. Es zeigt sich, dass einzelne Krankheiten bei bestimmten Geschwistergruppen verstärkt auftreten. Wichtig ist, dass von den Züchtern das Auftreten von Krankheiten im Rahmen der Dateneingabe auch vollständig erfasst wird.

Versuche zur Erfassung eingeschränkter Milbenproduktion

Dr. Büchler berichtete über erste Versuche in Kirchhain zur Erfassung eingeschränkter Milbenproduktion aufgrund varroasensitiver Hygiene (VSH). Ähnlich wie in den USA konnte auch bei Völkern der Kirchhainer Population beobachtet werden, dass sich die in Arbeiterbrut eingedrungenen Varroamilben nur eingeschränkt vermehren. Es wurde erläutert, wie die sehr aufwendige Erfassung des Anteils nicht reproduzierender Milben im Labor erfolgt und wie dieses Merkmal in der Selektion berücksichtigt werden kann.

Genomische Selektion

Prof. Dr. K. Bienefeld berichtet über ein weiteres Projekt des LIB Hohen Neuendorf: Die genomische Selektion. Mit Hilfe von genetischen Markern für bestimmte Eigenschaften (z. B. Ausräumverhalten) soll die Selektion noch effektiver gestaltet werden.

Unter Federführung des Instituts Hohen Neuendorf gibt es ein weiteres, europäisches Projekt zur Förderung der Bienenzucht. In dieses Projekt eingebunden sind neben dem Bieneninstitut Kirchhain Kooperationspartner aus 11 europäischen Ländern. Im Rahmen dieses Projektes sollen vor allem in ihrem Bestand gefährdete Rassen u. a. durch gezielte Selektion weiter gefördert werden, um ihren Fortbestand sicherzustellen und um die Vielfalt der Rassen zu erhalten (siehe auch www.smartbees-fp7.eu).

Zuchtstoff aus Kroatien

Dr. Sekulja / Kroatien berichtete über die Inselbelegstellen Veli und Mali Drvenik. Auf diesen Inseln stehen als Drohnenvölker Töchter von ausgewählten Carnica - Zuchtmüttern aus Kirchhain und Bantin. Auf Grund der günstigen klimatischen Bedingungen ist es möglich, hier schon früh im Jahr Königinnen für den deutschen Markt zu ziehen. Die Zuchtvölker stammen dabei aus Kirchhain, Bantin und Lunz. In Kooperation mit der AGT wurden diese Königinnen in den zurückliegenden Jahren über das Bienenzuchtzentrum Bantin vertrieben. In Zukunft erfolgt der Vertrieb jedoch direkt von Kroatien. Informationen dazu sind der Homepage der AGT www.toleranzzucht.de zu entnehmen.

Züchterpreis 2015

Alljährlich wird vom D.I.B. ein Züchterpreis für hervorragendes Zuchtmaterial vergeben. Dieser Züchterpreis wird anhand der Ergebnisse der Zuchtwertschätzung ermittelt. Neben verschiedenen anderen Kriterien muss das Zuchtmaterial über mindestens 3 Generationen vom Züchter geführt sein. Der Züchterpreis 2015 soll an Johann Saathoff / Ihlow aus dem Landesverband Weser Ems gehen für seine Königin mit der Zb. Nr.

17-27-14-2013.

Der Preis wird anlässlich des Deutschen Imkertages in Leipzig verliehen. In einem weiteren Tagesordnungspunkt berichteten die Zuchtobleute über die Zuchtarbeit in ihren Verbänden und dort vorhandene Probleme u. a. mit dem Belegstellenschutz, der Gewinnung neuer Züchter usw.

Am Samstagnachmittag hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die historische Altstadt von Wernigerode und das Schloß zu besichtigen.

Öffentliche Vortragsreihe zum DIB Züchtertag

Am Sonntag fand die öffentliche Vortragsveranstaltung statt, zu der viele interessierte Imker aus dem Umland angereist waren. Nach einer Begrüßung durch den LV. Vorsitzenden Herrn F. Breuer, den Vertreter des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt Ministerialrat Dr. H. J. Schulz sowie Vertretern des Landkreises und der Stadt Ilsenburg standen zwei Referate im Mittelpunkt der Veranstaltung:

Prof. Dr. G. Pritsch
„Die Zuchtarbeit in den neuen Bundesländern – Rückblick und Zukunftsaussichten“

und

Dr. A. Uzunov u. Dr. R. Büchler
„Vorteile regional angepasster Bienen und deren Konsequenzen für die Auslese vitaler Bienen in Europa“

An beide Vorträge schloss sich eine umfangreiche Diskussion an. Der Tag klang aus mit einem Besuch auf dem Bienenstand von Imkermstr. W. Goetze in unmittelbarer Nähe des Tagungslokals.

Insgesamt war es eine außerordentlich gut besuchte Veranstaltung, bei der am Rande viele Erfahrungen ausgetauscht wurden. Dem Organisator, Herrn Imkermstr. W. Goetze und seinen Mitstreitern wird an dieser Stelle ganz herzlich gedankt.

F.K. Tiesler, 10.04.2015